Die Ökozonen nach Schultz – Definition und Übersicht

Ökozone – Definition

„Ökozonen sind Großräume der Erde, die sich durch jeweils eigene Klimagenese, Morphodynamik, Bodenbildungsprozesse, Lebensweisen von Pflanzen und Tieren sowie Ertragsleistungen in der Agrar- und Forstwirtschaft auszeichnen. Entsprechend unterscheiden sie sich in auffälliger Weise nach dem jährlichen und täglichen Klimagang, den exogenen Landformen, den Bodentypen, den Pflanzenformationen und Biomen sowie den agraren und forstlichen Nutzungssystemen. Ihre Verbreitung auf der Erde ist breitenabhängig und gewöhnlich disjunkt (fragmentiert) auf die Kontinente verteilt” (Schultz 2016, S. 18).

Die Einteilung der Erde in Ökozonen ermöglicht das einfache Erfassen des Naturraumes, welchen man an einem bestimmten Ort erwarten kann. Die Klassifikation von Jürgen Schultz ist mittlerweile eine der gebräuchlichsten in der Geographie. Er führte den Begriff 1988 ein. Seinem Verständnis nach gibt es auf der Welt 9 Ökozonen.

Konzept der Ă–kozonen

Das Ă–kozonkonzept integriert verschiedene Geokomponenten:

Klimatische Faktoren:

Biogeographische Faktoren:

Pedologische Faktoren:

Geomorphologische Faktoren:

Anthropogene Nutzung:

Klimadiagramme und Ă–kozonen

Der Zusammenhang zwischen Temperatur, Niederschlag und Breitengrad bestimmt maĂźgeblich die Ă–kozone:

Wichtige Schwellenwerte:

Ökozonen der Erde – Übersicht

Manche Ökozonen sind in Sub-Ökozonen eingeteilt. Nachfolgend eine Übersicht der Ökozonen von den Polen zum Äquator. Angegeben ist auch die Festlandsfläche und ihr Festlandsanteil an der Erde. Insgesamt liegt die gesamte Landfläche der Welt bei rund 149 Mio. km².

1. Polare / Subpolare Zone

Fläche: 22,0 Mio. km² (14,8% der Landfläche)

Sub-Ă–kozonen:

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Beispiele: Nordgrönland, Spitzbergen, Nordsibirien, Antarktis

Aktuelle Forschung:


2. Boreale Zone

Fläche: 19,5 Mio. km² (13,1%)

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Beispiele: Kanada, Skandinavien, Sibirien

Aktuelle Forschung:


3. Feuchte Mittelbreiten

Fläche: 14,5 Mio. km² (9,7%)

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Beispiele: Mitteleuropa, Nordosten USA, Nordchina, Neuseeland

Aktuelle Forschung:


4. Trockene Mittelbreiten

Fläche: 16,5 Mio. km² (11,1%)

Sub-Ă–kozonen:

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Beispiele: Kasachstan, Mongolei, Great Plains (USA), Patagonien

Probleme:

Aktuelle Forschung:


5. Winterfeuchte Subtropen (Mittelmeerklima)

Fläche: 2,5 Mio. km² (1,7%) – kleinste Ökozone!

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Verbreitung:

Probleme:

Aktuelle Forschung:


6. Immerfeuchte Subtropen

Fläche: 6,0 Mio. km² (4,0%)

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Verbreitung:

Aktuelle Forschung:


7. Tropisch / subtropische Trockengebiete

Fläche: 31,0 Mio. km² (20,8%) – größte Ökozone!

Sub-Ă–kozonen:

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Verbreitung:

Probleme:

Aktuelle Forschung:


8. Sommerfeuchte Tropen (Wechselfeuchte Tropen)

Fläche: 24,5 Mio. km² (16,4%)

Sub-Ă–kozonen:

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Verbreitung:

Probleme:

Aktuelle Forschung:


9. Immerfeuchte Tropen

Fläche: 12,5 Mio. km² (8,4%)

Klima:

Vegetation:

Böden:

Morphodynamik:

Nutzung:

Verbreitung:

Ă–kologische Bedeutung:

Bedrohungen:

Aktuelle Forschung:


Tabellarische Ăśbersicht

ÖkozoneFläche (Mio. km²)Anteil (%)Temp. (°C)NS (mm)Vegetation
Polar/Subpolar22,014,8<0<250EiswĂĽsten, Tundra
Boreal19,513,1-5 bis +5400-600Nadelwald (Taiga)
Feuchte Mittelbreiten14,59,75-12500-1000Laubwald
Trockene Mittelbreiten16,511,10-15<500Steppe, WĂĽste
Winterfeuchte Subtropen2,51,712-18400-900 (Winter)Hartlaubvegetation
Immerfeuchte Subtropen6,04,013-20800-2000Lorbeerwälder
Trop./Subtrop. Trocken31,020,815-30<600WĂĽste, Dornsavanne
Sommerfeuchte Tropen24,516,420-28500-1500 (Sommer)Savanne
Immerfeuchte Tropen12,58,424-28>2000Tropischer Regenwald

Saisonalität der Ökozonen

Die NASA-Satellitenaufnahmen zeigen eindrucksvoll den jahreszeitlichen Gang der Vegetation in den verschiedenen Ă–kozonen:

Deutlich sichtbar:

Einschränkungen und Kritik

Obwohl das Modell der Ökozonen nach Jürgen Schultz einen sehr guten Eindruck der zonalen Einteilung der Erde gewährleistet, gibt es Einschränkungen:

1. Verallgemeinerungen

Faktoren wie Klima, Vegetation, Tierwelt etc. in Irland unterscheiden sich von denen in Rumänien. Trotzdem zählen beide zu den Feuchten Mittelbreiten. Regionale Unterschiede werden abstrahiert.

Beispiel: Die Feuchten Mittelbreiten umfassen:

2. Abrupte Grenzen

Die Karte zeigt scharfe Grenzen, in der Realität gibt es Übergangszonen (Ökotone).

Beispiel: SĂĽdindien

3. Höhengliederung fehlt

Gebirge zeigen vertikale Zonierung, die im Modell nicht abgebildet ist.

Beispiel: Anden

4. Menschlicher Einfluss

Das Modell basiert auf potenzieller natĂĽrlicher Vegetation, nicht auf realer Landnutzung.

Realität:

Alternative Konzepte: Anthrome

Ellis & Ramankutty (2008) entwickelten eine Einteilung der Erde in “Anthrome” (Anthropogenic Biomes), um den Einfluss des Menschen abzubilden.

Hauptkategorien:

Ergebnis: Nur ca. 25% der Landfläche ist noch als “wild” zu bezeichnen (Watson et al. 2018).

Aktuelle Forschung:

Klimawandel und Ă–kozonen

Verschiebung der Ă–kozonen:

Gefährdete Ökosysteme:

Aktuelle Forschung:

Didaktische Ressourcen

Unterrichtsmaterialien:

Interaktive Karten:

Videos:

Literatur

Standardwerke:

Aktuelle Forschung:

Zeitschriften:


WeiterfĂĽhrende Themen: